Einrichtung einer Hängematte auf der Romboleden-Wanderroute
ArtikelEinblicke für Abenteurer

100 km pro Woche, eine Hängematte und ein tausendjähriger Pfad: Der Mann, der den Romboleden als Erster ganz lief

Zuletzt geändert am 18. Apr. 2026

Lesezeit 5 Minuten

Im Sommer 2025 wanderte Hindek, 63 Jahre alt und frisch pensioniert, von Trondheim an der norwegischen Küste nach Köping im schwedischen Tiefland. Er legte 900 Kilometer in 46 Tagen zurück und schlief fast jede Nacht in einer Hängematte. Laut der schwedischen Kirche, die ihn bei seiner Ankunft registrierte, war er der erste Mensch überhaupt, der den gesamten Romboleden in einer einzigen, zusammenhängenden Reise wanderte. Seine Geschichte wurde in den sozialen Medien Schwedens gefeiert.

TrailRomboleden — Trondheim (Norwegen) nach Köping (Schweden)
Gesamtstrecke~900 km
Zeitraum29. Juli – 13. September 2025 (46 Tage)
TempoMin. 100 km/Woche (~15–20 km/Tag inkl. Ruhetags-Puffer)
HauptunterkunftHängematte + Tarp
Oberhalb der BaumgrenzeTarp über Trekkingstöcken, Isomatte auf dem Boden
Rucksackgewicht17–22 kg, je nach Wasser- und Lebensmittelvorrat
Historische BedeutungErster dokumentierter Solo-Thru-Hike des Romboleden am Stück

Vor dem Trail: Harte Arbeit, eine lange Genesung und der richtige Moment

Hindek verbrachte seine Karriere im Transportwesen. Er arbeitete lange und hart. Nach dem Verkauf seines Unternehmens hatte er mehr Zeit und gleichzeitig mehr Tatendrang, als die meisten Menschen kombinieren können. Eine doppelte Lungenembolie einige Jahre zuvor hatte ihm eine besondere Klarheit darüber verschafft, wie er die kommenden Jahre verbringen wollte. Der St. Olavsleden zwei Jahre zuvor war der erste Test; der Romboleden war die Fortsetzung.

"Ich habe immer hart gearbeitet. Nach dem Verkauf meines Unternehmens fing ich an zu reisen. Diese Route war das Follow-up zum St. Olavsleden, den ich zwei Jahre zuvor gelaufen bin. Historisch gehört das zusammen — König Olaf lief den Romboleden vier Jahre vor dem St. Olavsleden, als er von Trondheim nach Köping floh, um ins Exil nach Russland zu gehen. Für mich schloss sich damit ein historischer Kreis." — Hindek

Bevor der eigentliche Trail begann, arbeitete er freiwillig auf einem Bauernhof in Schweden — körperliche Arbeit im Freien, die den Übergang vom Alltag in den Rhythmus erleichterte, den der Trail fordern würde. Als er in Trondheim seinen Rucksack schulterte, war der Körper bereits in Bewegung.

Der Romboleden: Schwedens ältester Pfad und seine lange Abwesenheit

Der Romboleden ist nicht einfach nur eine lange Wanderung. Es ist eine der ältesten Routen Skandinaviens — älter als der St. Olavsleden, wie Hindek betont. Er verbrachte Jahrhunderte weitgehend vergessen, bevor Bemühungen begannen, ihn wieder zu markieren und instand zu setzen.

"Der Romboleden ist eine sehr alte Route, aber sie war in Vergessenheit geraten. Man versucht jetzt, ihn wieder bekannter zu machen, aber er ist noch nicht ganz fertiggestellt. Ich war der Erste, der ihn am Stück gelaufen ist." — Hindek

'Nicht ganz fertiggestellt' ist untertrieben. Der Romboleden ist eine Route im Aufbau, gepflegt von Freiwilligen, jedes Jahr verändert durch Schnee, Regen und Vegetation. Wegmarkierungen verschwinden manchmal für eine Stunde. Pfade wachsen zu, wenn niemand sie begeht. Was in einem Jahr auf dem GPS markiert ist, kann im nächsten schon undurchdringlicher Wald sein.

"Manchmal läuft man eine Stunde lang, ohne eine einzige Markierung zu sehen. Man muss seiner Navigation vertrauen können. Es ist wirklich eine Route im Werden." — Hindek

Auf einem Abschnitt folgte er eine Zeit lang roten Markierungen an Bäumen, bis er bemerkte, dass es sich um private Grenzmarkierungen eines Forsteigentümers handelte und nicht um Wegzeichen. Das kostete ihn mehrere Kilometer Umweg um einen See. In den nördlichen Moorabschnitten stapfte er stundenlang knöcheltief durch Sumpf.

Der historische Kontext: Ein geschlossener Kreis

Olaf Haraldsson, König von Norwegen von 1015 bis 1028, floh nach seiner Absetzung durch Knut den Großen aus seinem Königreich. Die Route, die er vermutlich nahm, führte von Trondheim nach Süden durch Schweden bis nach Köping am Mälaren-See. Diese heute fast vergessene Route ist der Romboleden.

Vier Jahre später, 1030, kehrte er zurück, um seinen Thron zurückzufordern, und fiel in der Schlacht von Stiklestad. Er wurde als St. Olav heiliggesprochen. Der Weg, der Pilger zu seinem Schrein nach Trondheim führte, wurde der St. Olavsleden. Wer den Romboleden nach Süden und den St. Olavsleden nach Norden wandert, vollzieht die gesamte Reise des Königs nach.

Wie der Trail wirklich ist

Der Romboleden führt von Trondheim südwärts. Die Route beginnt im urbanen Norwegen und steigt innerhalb von zwei Tagen in das offene Hochland von Herjedalen auf, weit oberhalb der Baumgrenze.

"Dort oben bist du über der Baumgrenze. Du kannst Tage verbringen ohne Bäume, ohne Internet, ohne alles. Flüsse haben keine Brücken, manchmal stehst du knietief im Wasser, um sie zu überqueren." — Hindek

Die Einsamkeit im Norden ist absolut. Er sah zwei oder drei Tage lang keinen einzigen Menschen. Wildtiere ersetzten den menschlichen Kontakt: Rentiere im Hochland, Elche und Dachse weiter südlich. In 46 Tagen sah er jedoch weder Bären noch Wölfe direkt, obwohl er ihre Spuren fand.

Der beste Moment

"Das Hochland in Herjedalen. Man kann drei Tage lang denselben Berg sehen und das Gefühl haben, nicht voranzukommen. Aber die Stille, die Sterne, das klare Wasser — das bleibt bei einem. Man fühlt sich sehr klein ohne Handysignal. Das ist der Punkt." — Hindek

Warum Hängematte? Ideal für den Romboleden

Die Hängematte ist das Thema, nach dem die meisten Leute zuerst fragen. Hindeks Antwort ist rein praktisch.

"Eine Hängematte ist bequem und man hat keine Probleme mit dem Untergrund. Man kann über Gestrüpp, Felsen oder nassem Boden hängen. Mit einem Zelt braucht man immer ein flaches Stück Erde." — Hindek

Für das baumlose Hochland hatte er eine Lösung: Er nutzte sein Tarp (die Schutzplane) als Bodenunterkunft, gestützt durch seine Trekkingstöcke, und schlief auf einer klassischen Isomatte.

100 Kilometer pro Woche: Die Philosophie des Rhythmus

Hindek ist kein Fan von Trainingsplänen. Seine Vorbereitung? Im Grunde keine.

"Eigentlich gar keine Vorbereitung. Ich habe einfach meinen Rucksack gepackt und bin losgelaufen. Die ersten Tage sind schwer, aber danach geht es wie von selbst." — Hindek

Sein Geheimnis war die 100-km-pro-Woche-Regel. Bei 15 bis 20 km pro Tag bleibt Zeit für einen Ruhetag und Puffer für schwierigere Etappen. Das nimmt den täglichen Druck und macht den Rhythmus wichtiger als das Ziel.

Die Ausrüstung: Was man für 46 Tage wirklich braucht

KategorieGegenstand / MarkeHindeks Begründung
UnterkunftLesovik Hängematte + TarpAufbau in unter 3 Minuten. Einfachheit zählt nach einem langen Tag.
IsolationCumulus Daunen-QuiltsDaune statt Synthetik wegen Gewicht und Packmaß.
SchuhwerkMeindl Lederstiefel — ohne Gore-TexGore-Tex atmet nach Wochen nicht mehr (Schweiß/Fett). Leder trocknet schneller und lässt den Fuß atmen. Keine Blasen.
KochenTrangia SpirituskocherSpiritus gibt es in jedem Supermarkt. Keine Gas-Logistik nötig.
NavigationGarmin eTrex 30 (AA-Batterien)Batterien gibt es überall. Telefon bleibt im Flugmodus, um den Akku zu schonen.
Feuer & ZunderMora Messer + Feuerstahl + TamponsTampons sind einzeln verpackt (immer trocken) und die perfekte Watte-Anzündhilfe.

Der Tampon-Hack für eiskalte Morgen

"Ich habe immer Tampons dabei. Sie sind wasserdicht verpackt. Wenn man sie auseinanderzieht, ist die Watte der perfekte Zunder. Damit kann man sogar den Spiritus bei Temperaturen unter Null vorwärmen." — Hindek

Ankunft in Köping

Nach 46 Tagen kam Hindek in Köping an. Die örtliche Kirche hatte seinen Fortschritt verfolgt. Er wurde offiziell als erster Thru-Hiker des Romboleden registriert und in einer Zeremonie empfangen.

Der Romboleden: Praktische Details für Nachahmer

  • Strecke: ca. 900 km, Trondheim nach Köping (oder umgekehrt).
  • Dauer: 6–10 Wochen. Hindek: 46 Tage bei ~100 km/Woche.
  • Gelände: Hochmoor im Norden, tiefe Wälder in Dalarna, Kulturlandschaft im Süden.
  • Markierung: Rotes und graues St.-Olav-Symbol. Unregelmäßig, Navigationserfahrung zwingend erforderlich.
  • Unterkunft: Wildcamping ist durch das Jedermannsrecht (Allemansrätten) in Schweden erlaubt.
  • Empfehlung: Nicht als erste Fernwanderung wählen. Der St. Olavsleden (580 km) ist besser markiert und eignet sich ideal als Einstieg.

Bereit für deinen eigenen schwedischen Trail? Der Romboleden ist einer der großartigsten, aber unbekanntesten Wege Europas. Wer das nötige Vertrauen und das Wissen über Hängematten-Camping aufbauen will, findet den idealen Einstieg beim Hammock Trail: Sweden. Sechs Nächte im Glaskogen-Wald, geführt und mit kompletter Ausrüstung. Das System, das Hindek für seine 900 km nutzte, startet hier: www.hammockhaven.eu/trips/the-hammock-trail-sweden

    100 km pro Woche, eine Hängematte und ein tausendjähriger Pfad: Der Mann, der den Romboleden als Erster ganz lief